FRANZ MARC

FRANZ MARC

Franz Marc und der deutsche Expressionismus

Am 8. Februar 1880 in München geboren, wuchs Marc als Sohn des Malers Wilhelm Marc in einem künstlerisch geprägten Umfeld auf. Von 1900 bis 1902 studierte er an der Münchner Kunstakademie. Nach seinem Studium wandte er sich zunehmend vom akademischen Kunstbetrieb ab und suchte die unmittelbare Auseinandersetzung mit der Natur. Im bayerischen Voralpenland, insbesondere rund um Kochel, fand er einen wichtigen Rückzugs- und Arbeitsort. Die Beobachtung von Tieren wurde dabei zu einem zentralen Ausgangspunkt seiner Kunst.

Franz Marc, Der Traum, 1912, Öl auf Leinwand, 100,5 × 135,5 cm, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid

Franz Marc, Der Traum, 1912, Öl auf Leinwand, 100,5 × 135,5 cm, Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid © Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid


Franz Marc und die französische Avantgarde

Auch die Auseinandersetzung mit der französischen Avantgarde prägte seine Entwicklung. Auf seinen Parisreisen 1903 und 1907 lernte Marc neue künstlerische Strömungen kennen, die ihn nachhaltig beeinflussten. Ab 1908 entstanden zunehmend Bilder von Pferden und anderen Tieren in der Landschaft. Gemeinsam mit Maria Franck, seiner späteren Ehefrau, lebte und arbeitete Marc ab 1910 in Sindelsdorf im bayerischen Oberland. Die ländliche Umgebung bot ihm den Raum, seine Suche nach einer neuen, von der Natur ausgehenden Bildsprache weiterzuentwickeln.

Der Blaue Reiter

Ein entscheidender Wendepunkt war seine Begegnung mit August Macke und vor allem mit Wassily Kandinsky. Während Macke Marc für die Möglichkeiten der reinen Farbe sensibilisierte, führte die Zusammenarbeit mit Kandinsky zur Gründung des Blauen Reiter. Marc wurde zu einer zentralen Figur der avantgardistischen Künstlergruppe und war gemeinsam mit Kandinsky Herausgeber des 1912 erschienenen Almanachs Der Blaue Reiter. Ziel der Künstler war es, die Grenzen der traditionellen Kunst zu überwinden und neue Formen für den Ausdruck innerer und geistiger Erfahrungen zu finden.

 

Franz Marc, Drei Katzen, 1913, Öl auf Leinwand, 72,6 × 102,5 cm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Foto: Walter Klein, Düsseldorf


Franz Marcs Tierbilder und ihre symbolische Bedeutung

Das Tierbild wurde dabei zum Markenzeichen von Franz Marc. Pferde, Rehe, Füchse und andere Tiere sind in seinen Gemälden nicht einfach naturgetreue Darstellungen. Marc verstand das Tier vielmehr als Gegenbild zur modernen, von der Zivilisation geprägten Welt. In ihm sah er eine ursprüngliche und unverfälschte Existenz. Durch leuchtende Farben und zunehmend vereinfachte, dynamische Formen verlieh er seinen Motiven eine symbolische Bedeutung. Farbe war für ihn nicht an die natürliche Erscheinung eines Gegenstands gebunden, sondern konnte Gefühle, Charakter und geistige Zustände ausdrücken.

Farbe und Form in Franz Marcs expressionistischer Bildsprache

Ab 1911 entwickelte Marc seine expressionistische Bildsprache mit großer Konsequenz weiter. Die Begegnung mit der internationalen Avantgarde eröffnete ihm neue Möglichkeiten. Besonders die Kunst Robert Delaunays, die Marc 1912 bei einem Parisaufenthalt mit August Macke kennenlernte, beeinflusste seine intensive Auseinandersetzung mit Farbe und Form. Auch Elemente des Kubismus und des italienischen Futurismus flossen in seine Arbeiten ein. Die Tierkörper lösten sich zunehmend in geometrische Flächen und rhythmische Farbformen auf. In seinen letzten Schaffensjahren näherte sich Marc schließlich der Abstraktion, ohne den Bezug zur organischen Welt vollständig aufzugeben.


Franz Marc, Die verzauberte Mühle, 1913, Öl auf Leinwand, 130,2 × 90,8 cm‚ Arthur Jerome Eddy Memorial Collection, bpk / The Art Institute of Chicago / Art Resource, NY


Franz Marc im Ersten Weltkrieg und sein früher Tod

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 setzte dieser intensiven künstlerischen Entwicklung ein abruptes Ende. Marc wurde als Soldat an die französische Front eingezogen. Auch während des Krieges zeichnete er weiter; 1915 entstand sein Skizzenbuch aus dem Felde mit 36 Zeichnungen. Am 4. März 1916 fiel Franz Marc während eines Erkundungsritts bei Verdun in Frankreich. Er wurde nur 36 Jahre alt.

Franz Marc und seine Bedeutung für die moderne Kunst

Trotz seines kurzen Lebens hinterließ Franz Marc ein Werk von außergewöhnlicher Bedeutung für die deutsche Kunst des 20. Jahrhunderts. Seine Tierbilder wie Die großen blauen Pferde, Der Tiger oder Füchse sind heute eng mit dem Expressionismus und dem Blauen Reiter verbunden. Marcs konsequente Verbindung von leuchtender Farbe, abstrahierter Form und symbolischer Bedeutung machte ihn zu einem der wichtigsten Wegbereiter der modernen Kunst in Deutschland.

Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt ist derzeit im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu sehen. Anlässlich der Ausstellung ist bei uns der begleitende Katalog in einer deutschen und einer englischen Ausgabe erschienen. Er lädt dazu ein, die Ausstellung auf Papier weiterzuerleben, Marcs außergewöhnliches Werk zu entdecken und mehr über seine künstlerische Suche nach einer anderen, besseren Welt zu erfahren.


Franz Marc, Fuchs (Blauschwarzer Fuchs), 1911, Öl auf Leinwand, 50 × 63,5 cm‚ Von der Heydt-Museum Wuppertal, Foto: Medienzentrum Wuppertal

 

Header: Franz Marc, um 1913, Germanisches Nationalmuseum, Deutsches Kunstarchiv, Nürnberg

veröffentlicht am 03. September 2026 – Mathilde Busse


Veröffentlicht am: 04.09.2026
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