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LARS EIDINGER – WHO'S THERE?
Abschluss einer fotografischen Trilogie
»Who’s there?« ist die Frage, mit der Shakespeares »Hamlet« beginnt. Dann betritt der Mensch als Repräsentant die Bühne und stellt sich die essenzielle Frage nach dem Sein oder Nichtsein. Wenn Hamlet den Schädel des verstorbenen Hofnarren Yorick vor sich hält, ist das die Geste der Selbstreflexion: Der Narr betrachtet den Narren.
Mit Who’s there? legt Lars Eidinger nach Autistic Disco und O Mensch den dritten Teil seiner Trilogie von Bildbänden vor, in denen die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Existieren im Mittelpunkt steht.
Die neuen Fotografien, aufgenommen mit Smartphone und Spiegelreflexkamera, entstanden unter anderem in Tokio, Kyoto, Shanghai, Istanbul, Berlin, London, Teheran, Sydney und Paris. Ob Alltagsszene oder flüchtiger Moment: Eidinger lenkt den Blick auf das Abseitige, Unscheinbare, Details und vergrößert sie. Filmische und theatrale Elemente fügen sich zu einem eigenwilligen Rhythmus zusammen, der das Gewöhnliche in ein paradoxes Weltsein verwandelt.
Einleitung von Peter Sloterdijk
In seinem einführenden Essay nennt Peter Sloterdijk Eidinger einen »Meister der fotografischen Anekdote«: »Er begegnet den Dingen in den Momenten, in denen sie gesprächig sind, ohne ganze Geschichten bieten zu wollen.«
Für Lars Eidinger ist die Fotografie ein Spiegel: »Jedes Bild ist ein Selbstporträt der Betrachtenden. Es meint und bedeutet immer etwas anderes, je nachdem, wer es betrachtet. So wie man im Traum in verschiedenen Gestalten auftaucht, begegnet man in der Fotografie sich selbst.«
Abschluss einer erfolgreichen Trilogie
Die drei Bände Autistic Disco, O Mensch und Who’s there?, alle im gleichen Format und nach demselben Konzept der strengen Aneinanderreihung der Fotografien entstanden, dokumentieren die Entwicklung eines künstlerischen Werks, das 2019 mit Eidingers erster Ausstellung im Neuen Aachener Kunstverein seinen Ausgang nahm.
Zusammen zeugen die Publikationen von seinem ganz eigenen Blick auf die Welt und verdichten sich zu einem vielschichtigen Kaleidoskop der Gegenwart.
Aktuelle Ausstellung: Present Perfect
In der Kunsthalle Tübingen ist aktuell die Einzelausstellung »Present Perfect. Im Dialog mit der Sammlung« zu sehen. (bis 28. Februar 2027). Ausgewählte Werkgruppen aus Eidingers fotografischem Werk treten darin in einen Dialog mit Exponaten aus der Sammlung der Kunsthalle, von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart, darunter Arbeiten von Gilbert & George, Yves Klein, Franz Erhard Walther, Katja Strunz und Ben Willikens.
Über Lars Eidinger
Lars Eidinger (*1976, Berlin) gilt als einer der profiliertesten Schauspieler Deutschlands. Als langjähriges Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne begeistert er mit seinen expressiven Darstellungen von »Hamlet«, »Richard 3« oder dem »Geizigen«. Im Film verkörpert er abgründige und zugleich von geradezu artifizieller Sensibilität geprägte Figuren, zuletzt auch international als Brainiac in der neuesten Verfilmung von Superman.
Ob auf der Theaterbühne oder vor der Filmkamera, im Regiestuhl oder am Mischpult, jeder seiner Auftritte ist eine Tour de Force, die das Publikum auf nahezu magische Weise elektrisiert. Seine Fotografien und Videofilme wurden unter anderem im K21 der Kunstsammlung NRW, in der Hamburger Kunsthalle und in der Galerie Ruttkowski;68 gezeigt.